3338 Harley-Kilometer durch 6 Staaten an 9 Tagen

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2 Wochen Urlaub, und das um die Sommersonnenwende herum! Völlig klar, es musste eine größere Tour mit der Harley werden! Hier sind ein paar Notizen zur Reise mit meiner Softail Slim 2013 (FLS), die ich vom 19. Juni bis 1. Juli 2016 unternommen und sehr genossen habe.

Ursprünglich sah ich mich von Berlin aus Richtung Riesengebirge (Tschechien) und Hohe Tatra (Slowakei) aufbrechen, um dann über Österreich und die Schweiz, vielleicht auch Frankreich, einen Bogen zwecks mehrtägigen Besuchs des Familienoberhauptes ins Sauerland zu schlagen, oder alternativ genau anders herum zu fahren, je nachdem wie sich die Wetterlage entwickelt. Erfahrungswerte zeigten, daß bis zu max. 650 Streckenkilometer (ausschliesslich Landstrasse) pro Tag mit dem Moped möglich sind, es durften aber auch gern nur die Hälfte sein, schließlich wollte ich es entspannt angehen lassen. Grob geschätzt sollte so obige Strecke in 2 Wochen möglich sein. Wieder einmal mit dem Moped durch die Alpen zu cruisen übte einen magischen Sog aus, dem ich mich nicht verwehrte. Die Verlockung einer Einladung in die große Hansestadt an der Elbe, mit entsprechend vom lokalen Chapter begleiteten Fahrten durch den hohen Norden, war angesichts der anstehenden Hitzewelle groß, doch die Alpen sollten siegen, und den Segen des Hamburger Chapters hatte ich dann auch.

Die Entscheidung zu einer Richtung und dem Tag der Abfahrt behielt ich mir bis kurz vor eigentlichem Start vor. Am Sonntag d. 19.06. sollte es dann soweit sein. Die Strecke ins Sauerland war nur mittels frontaler Durchquerung eines von Westen unerbittlich anrückenden Regenbandes über ganz Deutschland möglich, was aber scheinbar schnell gehen würde. In der anderen Richtung, Tschechien und Slowakei, wurde für die kommenden Tage zu unbeständiges und vor allem sehr heißes Wetter vorrausgesagt, was mir gar nicht passte. Also -> Sauerland!

 

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Grundsätzlich war klar, daß ich des Deutschen heißgeliebte Autobahnen komplett vermeide (Zitat Motorrad-Fahrlehrer: “Autobahnen sind für Autos da.”) und nur im Ausnahmefall benutze. Außerdem wollte ich auf Regenfahrten verzichten wo und wann immer das möglich wäre. Camping-Dinge nahm ich gar nicht erst mit, dank booking.com oder einschlägigen Quellen wie bikerbetten.de, mit denen ich in der Vergangenheit beste Erfahrungen machte, wußte ich passende Übernachtungsmöglichkeiten kurzfristig sicher. So wurden für die gesamte Fahrt entsprechende Apps, sowie Regenradar, Wetteronline, Google Maps und Navigon meine unverzichtbaren Begleiter, mit denen ich über den gesamten Zeitraum in allen Ländern so gut wie keine Probleme feststellen konnte. Sabine, so nenne ich die akustische Navigations-Entität, die mir über robuste In-Ear Hörer den Weg weist, läßt sich nie aus der Ruhe bringen, kocht aber am Ende auch nur mit Wasser. Das Navigations-Routenprofil stelle ich auf “Motorrad” + “Schön” (statt schnell oder kurz o.ä.) + “Autobahnen vermeiden”, in den letzten Jahren zeigte sich immer wieder wie optimal die Streckenführung auf diese Art ist, mit Betonung auf “schön”. Etwas Sorgen machte mir der hohe Energieverbrauch der Navigations-App, ich schaffte mir daher vor Abfahrt eine handliche Powerbank an. Jene speichert Energie genug für ca. 3 volle Aufladungen des Galaxy Note 4. Es sollte locker reichen, wie sich herausstellte.

Also – (wasserdichte) Tasche gepackt, letzte Checks der Utensilien, Kleidung und Harley – und ab!

Ein erklärendes Wort zu den Karten und Bildern noch vorab, Google Chrome erlaubt die Darstellung der auf dieser Seite eingebundenen Karten nicht, daher bitte vorerst einen anderen Browser wie Firefox verwenden (dort einfach diesen Link einfügen – http://bit.ly/29tGclX )! Über einen Klick auf das Rechteck im Kartenfenster oben rechts öffnet sich ein neuer Tab/Fenster, in dem sich die jeweilige Tagesetappe im Detail ansehen lässt. Zoom In/Out stehen auch in der Voransicht zur Verfügung (+/- unten links). Auf manchen Karten sind die Strecken rot, auf manchen blau, das hat nichts Besonderes zu bedeuten. Zu manchen wenigen Passagen standen nur ungenügend GPS Daten zur Verfügung, das habe ich manuell geradegezogen und es wird erst deutlich wenn man entsprechend hoch hinein zoomt.

Ein paar Links in die Wikipedia sind auch verstreut.

Ein Klick auf die eingebetteten Bilder öffnet entsprechendes Bild in einem neuen Tab/Fenster, dort lässt es sich über einen Mausklick weiter vergrößern. Die Bilder sind meist in einer Auflösung von 15.9 MP – 5312 × 2988 mit dem Note 4 erstellt und unbearbeitet. Zu fast jedem Tag gibt es eine kleine Sammlung an Bildern/Schnappschüssen über entsprechenden Link zum Ende des Tagesabschnitts (Mehr Bilder).

Jetzt aber…

 

Sonntag, 19.06.2016 – Tag 1: Berlin -> Olpe

Um 11 Uhr startete ich im noch schlafenden Friedrichshain den satten V-Twin. Vorherige Fahrten ins Sauerland (ca. 600 km, je nach Strecke) waren in max. 12 Stunden incl. Pausen geschafft, so war ich wegen der langen Tage zuversichtlich Olpe noch in der Dämmerung zu erreichen – und so kam es dann auch. Im Vergleich zu Berlin hält sich ja das Tageslicht im westlichen Olpe, je nach Jahreszeit, fast 30 Minuten länger (gleiche Zeitzone). Diese erste Fahrt war mit 597 km auch zugleich die längste aller Strecken der kommenden Tage.

Das bereits angesprochene Regenband sah ich in der Gegend um Magdeburg dunkelstgrau und schnell auf mich zu kommen und gerade als ich mich entschied ein paar Regensachen überzuziehen, fing es bereits an zu plästern. Nach einer Viertelstunde gegen und durch die Wasserwand war alles wieder vorbei und dies sollte bis zur zweitletzten Etappe der einzige Regen sein, den ich zu spüren bekam.

Im Harz hat mich die gute Sabine wegen einer verpassten Ausfahrt ein wenig in die Irre geführt, außerdem waren mehrere Orte im Harz gesperrt, diverse Plakate und plötzlich auftauchende, uralte Trecker deuteten auf traditionelle Trecker-Treffen um die Jahreszeit hin. Trotzdem war die gesamte Fahrt des ersten Tages ganz phantastisch, sehr wenig Verkehr – auch wegen irgendeines EM Spiels – tat sein Übriges.

Schätzungsweise würde ich den Sonnenuntergang in der Gegend um Winterberg im Hochsauerland erleben, genau so war es dann auch.

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Gegen 23 Uhr erreichte ich zufrieden und aber nicht wirklich geschafft, nach 12 Stunden Qualitätszeit, das Haus der Eltern.

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Es war klar, daß ich “ein paar Tage” in Olpe bleibe, daß daraus dann eine ganze Woche wurde war in erster Linie dem Wetter geschuldet, was aber auch nicht weiter schlimm war, da ich die Zeit mit dem Vater und in den Bergen dort ziemlich genieße. Es wurde aber im Lauf der Woche klar, daß die Slowakei ein zu entferntes Ziel würde, wenn ich nicht nach drei oder vier Tagen weiterkomme. So habe ich die Hohe Tatra schnell aus der ursprünglichen Idee gestrichen. Auch das Riesengebirge stellte einen zu großen Umweg dar, nun, es läßt sich von Berlin in einem entspannten Tag erreichen, ich vermerkte (note to self), daß ich das nachholen werde.

Am Montag d. 20.06. entschied ich mich ein Motorrad-Geschäft in Siegen aufzusuchen, um dort wasserdichte Stiefel zu besorgen. Die stabilen Goretex-Wanderstiefel, die ich i.d.R. verwende, halten zwar eine Menge Wasser aus, aber die niedrige Höhe des Schafts lässt doch immer wieder Wasser von oben in die Stiefel laufen, so daß es jetzt welche mit einem hohen Schaft sein mussten. Jene schnell gefundenen, neuen, wasserdichten Treter verwendete ich von nun an und bereue den Kauf in keinster Weise.

Jedenfalls war die Fahrt nach Siegen zu banal kurz, wenn auch sehr schön (!), um sie in die Etappendarstellung mit aufzunehmen.

 

Dienstag d. 21.06. bewegte ich die Harley, wetterbedingt, und mich selbst, urlaubsbedingt, nicht. Wegen des Sauerländer Regens fiel der längste Tag des Jahres eher ins kühle Naß.

 

Mittwoch, 22.06.2016 – Tag 2: Olpe -> Westerwald

Von Mittwoch auf Donnerstag war ein Besuch bei langjährigen, guten Freunden im Westerwald fällig! Der direkte Schleichweg – früher so oft gefahren – war mir zu kurz (ca. 60 km) und ich wollte zuerst eine Gegend erkunden, die ich in den frühen 90ern als Bohrarbeiter für ein geologisches Landesamt zu schätzen gelernt habe. So fuhr ich also über den Rothaarkamm,  Bad Berleburg, Bad Laasphe und Dillenburg von Osten in den Westerwald. In einer längst fälligen Pause rief Ory an “Wo biste?”, wir verabredeten uns am Dreifelder Weiher südlich von Hachenburg, wo wir gleichzeitig eintrafen! (Genau genommen habe ich schon eine Runde um den Weiher gedreht weil 5 Minuten vorher, an gleicher Stelle an der ich Ory mit seiner flotten custom ’86er Suzuki GSX 550 treffen sollte, bereits ein anderer Biker daherrollte, dem ich umsonst hinterherfuhr da ich erst nicht recht erkannte ob es Ory war. 3 Jagd-Minuten später musste ich feststellen, daß es sich um einen anderen Einheimischen handeln musste, der die Strecke in- und auswendig kannte.)

Nach kurvenreichen, ländlichen und sehr angenehmen Strassen mit tollen Ausblicken über die Region war nicht nur ein Bier fällig! Im Tal der Wied rollte der Nebel an, das war angesichts des zweitlängsten Tages des Jahres aber bis in die Nacht hinein total zweitrangig.

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Donnerstag, 23.06.2016 – Tag 3: Westerwald -> Olpe

Bei über 30 Grad und knalliger Sonne führte uns der Rückweg nach Olpe über ein kleines Stück Bergisches Land, Ory hatte in der kleinsten Kreisstadt NRWs was zu erledigen und da war klar, daß wir das mit einem netten Umweg verbinden. Zu einer Pause auf einer zufällig gewählten Bank nach kurzem Orientierungsverlust auf einer Anhöhe, mit Blick bis zu Siebengebirge, Eifel und Taunus, stellten wir fest, daß ein angepeiltes Ziel – Blockhaus – nur einen zur Durchfahrt verbotenen Feldweg von ca. 500 m Länge entfernt war! Ory meinte noch sinngemäss “Pass mal auf, da kommen bestimmt die Bu**en wenn wir gerade da hoch fahren”. Wir entschieden uns dagegen, es war zu heiß für derartige Lästigkeiten. Lieber wollten wir dann über einen kleinen Umweg zum Blockhaus fahren, als doch tatsächlich ein Polizeiwagen im Schritttempo den Feldweg herunterkam und mit breit grinsenden Insassen an uns vorbeirollte! Prompt rief Bruder Burkhard an, der mit seiner MT-09 am Blockhaus auf uns wartete und den wir nur wenige Minuten Umweg später dort trafen. Nun waren wir also 3 Bikes, die geschmeidig den Weg über Halbhusten und Husten (!) zurück nach Olpe nahmen, wo sich dann die Wege zunächst trennten.

Ich schloß mich nach dem Essen Orys Rückfahrt in den Westerwald noch ein paar Abendrunden-Kilometer an, kehrte jedoch um als wir die fernen, recht gewaltigen Gewitterformationen im Westen anrollen sahen. Ory, der noch wesentlich mehr Strecke vor sich hatte, ist zum Glück noch trocken heim gekommen.

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Freitag d. 24.06. und Samstag d. 25.06. fielen im regengeplagten Sauerland für weitere Fahrten aus, Zeit genug um u.a. dem Vater den alten Dual-Plattenspieler zu reparieren und die HiFi-Anlage wieder herzurichten, damit alte und wertvolle (Klassik-) Schallplatten wieder genossen werden können!

 

Sonntag, 26.06.2016 – Tag 4: Olpe -> Schwarzwald

Wetteronline und überhaupt Alle sprachen von halbwegs guten Aussichten für die nächsten Tage in ganz Mitteleuropa, so daß ich am Sonntag morgen gegen 11 Uhr Richtung Alpen startete. Eine erste Idee, durch die Vogesen zu fahren und in Colmar/Frankreich zu nächtigen, verwarf ich und buchte abends zuvor nach ein bischen geo-strategischer Überlegung ein Zimmer in Triberg im Schwarzwald, wo mein Vater als 15-jähriger 1943 ein Jahr lang lebte und später dort eingezogen wurde.

In Mainz führte mich Sabine genau 3 Mal hin und zurück über eine der rammelvollen, zentralen Rheinbrücken, bevor sie anscheinend genug gesehen hatte von dem hübschen Städtchen und mich weiter südwärts in den geologisch sehr spannenden Oberrheingraben geleitete.

Triberg rühmt sich damit den höchsten Wasserfall Deutschlands zu haben, nun, im Vergleich zu dem, was ich z.B. in den Tauern noch sehen sollte, ist das recht dürftig, aber der Wald- und Wanderweg vom relativ abgelegenen Hotel in den Ort hinein, am Wasserfall vorbei, war nach Ankunft eine willkommene Abwechslung und sehr erfrischend.

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Die aus dem hauseigenen Bach eines der Restaurants am Ort frisch zubereitete Forelle war ein Gedicht. Ich saß abends noch länger mit der Hotelbesitzerin zusammen, die einen ziemlich kosmopolitischen Hintergrund hat und mir als professionelle Köchin tolle Tips zur Zubereitung meines nächsten Wildschweingulaschs gab!

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Das, was nun aber kommen sollte, war der eigentliche Grund, warum ich mich dort überhaupt aufhielt.

 

Montag, 27.06.2016 – Tag 5: Schwarzwald -> Italien

Ich startete um ca. 10 Uhr den Motor und kurvte zunächst noch ein wenig im Schwarzwald herum bevor ich bei Schaffhausen die Schweizer Grenze querte und die ersten, nahen Ansichten der Alpen in wie dafür gemachtem Licht bekommen sollte.

Bei Vaduz blitzte im Augenwinkel ein Schild mit der Aufschrift “Fürstentum Liechtenstein” auf und ehe ich mich versah, war ich auch schon wieder in der Schweiz!

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Erstaunlich was in dem Grenzgebiet auf Schweizer Seite an Militär aufgefahren war, welches seltsame Dinge tat, die für Militär scheinbar dort so üblich sind. Das ging mich nichts an, war ich doch schnell auf dem besten Weg zum ersten echten Alpen-Pass der Tour, denn hinter dem Lenzerhorn wartete der Albula-Pass mit seinen 2312 m auf die Harley, Sabine und mich!

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Plötzlich befand ich mich inmitten der Alpen, steil, hoch und unglaublich eindrucksvoll was sich jenseits der guten Straßen abspielt. Auf die spektakuläre und extrem komplexe Geologie der Alpen werde ich hier nicht eingehen, dennoch erkannte ich den berühmten und omnipräsenten Bündnerschiefer schnell wieder.

Am Abend zuvor buchte ich bereits ein Zimmer in Livigno, einem Wintersportort auf 1816 m in einer zollfreien Zone Italiens. Aus irgendeinem Grund wollte ich nicht in der Schweiz nächtigen, sicher auch wegen der unverschämt hohen Preise der Unterkünfte. So überquerte ich die italienische Grenze am Forcola Pass auf 2315 m, es lief gerade das Spiel Italien-Spanien, kaum jemand war unterwegs, die letzten 10 Minuten des Spiels bekam ich noch im Hotel mit.

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In dem urigen Restaurant im Zentrum kam ich schnell mit dem Gastwirt in ein lustiges Geplauder, er bot mir, nebem dem obligatorischen Aperitif, lokalen Käse als Vorspeise und brachte gleich 4 Riesenstücke, Gelächter brach an den Nebentischen aus ob der Menge und ich nahm aber ganze zwei davon. Drei verschiedene Rotweine standen unversehens zur Verkostung auf dem Tisch. Inklusive einer Auswahl von drei Grappa-Sorten als Digestif hätte mich alles zusammen locker über 30 Euro kosten müssen, der Wirt jedoch meinte nur in seiner entspannten, italienischen Art “Für Sie, 10 Euro.”! Meine Beschwerde, das sei viel zu wenig, ließ er nicht gelten, wir verabschiedeten uns herzlich.

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Dienstag, 28.06.2016 – Tag 6: Stilfser Joch (Passo dello Stelvio) -> Dolomiten

Ich ahnte es bereits, daß es aber tatsächlich der wohl einrucksvollste Tag in den Alpen werden sollte, blieb zum Kaffee noch unklar. Zollfrei einzukaufen ergab sich nicht mehr, ich wollte bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Dolomiten zügig los. Die erste Pause mit (Rück-) Blick auf Livigno, ließ nicht lange auf sich warten.

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Darauf folgte schnell ein schlecht gelaunter Zoll-Grenzposten “Speak English? Alcohol? Cigarettes? From Livigno?”, ich konterte mit souveränem “No”. Mit frustriertem Kopfnicken gab er mir zu verstehen mich zügig zu verdünnisieren.

Der Passo dello Stelvio, oder auch Stilfser Joch, gehört wohl zur Königsdisziplin unter Bikern. Mich führte er abwärts, viele fahren ihn andersherum. Eine leichte Nervosität und gehörige Portion Respekt schleichen sich beim Anblick aus 2750 m Höhe durchaus ein. Das unermüdlich aus dem Tal röhrende, bassige Grollen der bis an die Belastungsgrenze arbeitenden Maschinen, weckte Abenteuerlust – und störte zugleich.

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Die Abfahrt gestaltete sich, etwas unerwartet, als extrem angenehm, keinerlei vorrausfahrende Autos o.ä. (und wenn doch vereinzelt, so wurden sie bei passender Gelegenheit problemlos überholt) und so gut wie kein Gegenverkehr, sieht man von einigen Hardcore- Radfahrern ab. Ich erwischte wohl eine ruhige Phase.

In einer der unzählbar vielen “Tornantes” (Haarnadelkurven) erspähte ich einen Fotografen, der scheinbar Aufnahmen von allen durch die Kurve gurkenden Menschen (und damit bares Geld) machte. Die in unübersehbar großen Lettern auf den Wagen geprägte URL merkte ich mir und fand dort tatsächlich Photos von der Harley, Sabine und mir!

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Den Pass würde ich jederzeit wieder “machen” und kann ihn nur jedem empfehlen, wer glaubt sein Motorrad zu beherrschen.

Die Fahrt durchs Etschtal, die großzügige Pause an der Tankstelle in Meran und die Weiterfahrt über Bozen gestalteten sich mit einer Leichtigkeit und Zufriedenheit, wie es zur Route und dem perfekten Wetter passte. Nur in Bozen war wieder irgendwas mit Sabine, der auf den ersten Blick rücksichtslose aber letztendlich flüssige, italienische Verkehr schien sie ein wenig zu überfordern, so daß wir ein bischen planlos durch die Stadt kurvten, bevor die richtige Ausfahrt in die Dolomiten gefunden war. Es ging erstmal in einen langen Tunnel, Dunkelheit und die faszinierenden Reflektionen der Tunnelbeleuchtung im Chrom der Maschine waren die einzigen Begleiter für eine gefühlte Ewigkeit und dann, unvermittelt und majestätisch, die Dolomiten.

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Der recht anspruchsvolle und grandiose Passo Pordoi, kurz vorm abends zuvor ausgewählten Nachtlager in Arabba, nahe der Marmolada, ist mir vom letzten Aufenthalt dort ziemlich vertraut und wurde mit Hochgenuß zum x-ten Male erfahren.

Ein grossartiger Tag ging zu Ende und ich selbst früh zu Bett.

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Mittwoch, 29.06.2016 – Tag 7: Dolomiten -> Steinernes Meer

Wieder mal die Wetterberichte ließen mich früher als erhofft wieder Richtung Norden aufbrechen, ganz so schnell sollte es jedoch nicht wieder über den Alpenhauptkamm gehen. Spontan beschloß ich erst noch eine Runde über einen der spektakulärsten mir bekannten Pässe, den Passo di Falzarego, und nahen Passo di Valparola zu drehen um mir dort in Ruhe mehrere Americanos und ein leckeres Stück italienischen Kuchens einzuverleiben.

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Statt über die Großglockner-Hochalpenstraße, der höchstgelegenen Passstrasse Österreichs zu fahren, entschied ich mich zum Felbertauerntunnel, ich vermutete, da früher so erlebt, daß man am Glocknerpass aufgrund massenhaftem Tourismus ohnehin nicht angenehm flüssig vorankommt.

Der Blick auf den Großglockner, während der Fahrt durch das  Antholzer Tal, versprach weiterhin nicht gerade klare Sicht in dessen Gipfelregion, so daß ich mich über die Entscheidung freute, denn das Tal mit gleichnamigen See am Passo Stalle (Staller Sattel), der Grenze zu Österreich, läßt sich wunderbar entspannt entlangrollen und das allerletzte Stück des Passes, so eng und kurvig wie es sich durch die Baumgrenze zieht, nur alle 45 Minuten für 15 Minuten in eine Richtung befahrbar, ist ein wahrer Traum!

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Irgendwo dort muß mir die Idee gekommen sein, nach der Etappe des kommenden Tages in einem Rutsch nach Berlin zu fahren, für das Wochenende war mal wieder Wechselbad mit Gewittern im dortigen Mitteleuropa angesagt. Aber erstmal noch ein bischen mit Sabine durch Osttirol und den Felbertauerntunnel, welcher am Ende viel kürzer war als ich das in Erinnerung hatte.

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Das letzte Stück zum Tagesziel, dem Steinernen Meer, ging eine gute Weile durchs Salzachtal, bei Zell am See schwenkte ich nach Norden, um in der Nähe von Saalfelden in ein bischen zu perfekter, ländlicher Idylle mein tags zuvor gebuchtes und bisher günstigstes Zimmer zu beziehen. Ich klingelte vergeblich an der Tür und auch ein Anruf mündete ins Leere, so daß ich noch eine Runde durch die Berge drehte, ich war um 17 Uhr-nochwas ohnehin viel zu früh dran. Ein, zwei Stunden später checkte ich ein und beschloß den Tag, als einziger Gast, mit einem deftigen Mahl und prächtiger Aussicht aufs abendliche Steinerne Meer, beim Bäckerwirt in Leogang.

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Donnerstag, 30.06.2016 – Tag 8: Steinernes Meer -> Regensburg

Da war er wieder, der Regen, dem ich bisher gut entkommen war, das machte aber nichts, ich war gut ausgerüstet und mußte ohnehin erstmal ausgiebig auf dem Weg zur deutschen Grenze bei Unken, nähe Innzell, frühstücken, die dicksten Tropfen abwartend.

Die Grenze war gerade unkontrolliert überquert als sich ein Stau ungeahnten Ausmaßes auftat. Ich traf auf 5 deutsche Biker, mit denen ich die gleiche, naheliegende Idee teilte, und zwar links vorbeizuziehen, was, komplett ohne Gegenverkehr, ein sehr befriedigendes Gefühl erzeugte, wie immer. Es zeigte sich, daß eine Baustelle dafür sorgte, daß man als Autofahrer locker eine Stunde oder mehr brauchte um da weiterzukommen, das war nichts für uns. Irgendwo bei Traunstein trennten sich unsere Wege, ich bog nach Nordosten ab um mich einem Freund und seiner Frau auf einen Kaffee aufzudrängen. Sehr nett und aber auch ein bischen zu kurz war es, Danke!

Die letzte Etappe des Tages führte mich durch den nicht weiter erwähnenswerten, unsäglichen Feierabendverkehr incl. mehrerer Baustellen, Umleitungen und roter Ampeln bei Landshut, nach Regensburg. Sabine wollte mir wohl zeigen wie sie mich auch hätte führen können in den ganzen Tagen und das aber glücklicherweise gelassen hat.

Im wirklich sehr sehenswerten, alten Regensburg kurvte ich im Schritttempo durch die gesamte, für den Normalverkehr gesperrte, Altstadt um schließlich Christa zu treffen. Das war schön! Sich zuvor, wegen der Blechlawinen, ausbreitender, schlechter Laune, machte das schnell den Garaus!

 

Freitag, 01.07.2016 – Tag 9: Regensburg -> Berlin

570 km bis Berlin, die zweitlängste Etappe der Tour. Das Wetter sagte “Hier, nimm dies und hab’ Spaß!”, es war geradezu perfekt.

Nach leckerem Frühstück mit Christa im historischen Zentrum Regensburgs fuhr ich bei Eger in die Česká republika, 50 km “Autobahn”, Strecke machen, gut so. Hinter Karlsbad hätte ich bei kurzfristigem Abbiegemanöver, wegen Sabines Zweifeln Richtung Berlin zu fahren, beinahe eine Bordsteinschwalbe touchiert, die etwas erschrocken, aber auch lächelnd zurücksprang. Alles gut, denn nun ging es auf kleinen, guten Straßen, in die variszische Basis des Erzgebirges.

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Es gab nochmal viele, echte, tschechische Haarnadelkurven zu geniessen vor Měděnec und die Kammstrecke nach Hora Svatého Šebestiána, zum Grenzübergang, war genial. Durch erschreckend öde Örtchen ging es dann über noch ödere Bezirke von Chemnitz für Dutzende Kilometer in die Leere und Weite Sachsens und Sachsens-Anhalts, dann passte wieder alles. Torgau, mit seinem durch die Lage stark beeindruckenden Schloß Hartenfels (!), und die Elbe rauschten vorbei und ich merkte kaum, daß ich bereits so 2 1/2 Stunden fuhr, als eine Pause fällig war. Der Hochsitz war perfekt und ich schaute eine Weile bei 27 Grad auf die Brandenburgisch-Sachsen-Anhaltische Grenze.

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Bevor sich mir der, durch das emsige Treiben mehrerer Mähdrescher und anderer Transportmittel an der Schönefelder Bauruine, aufgewirbelte Staub der wüstenähnlichen Landschaft in den Helm drängen und die letzten Kilometer verderben wollte, hielt ich noch einmal an, atmete tief durch und freute mich sehr zufrieden auf das zum Greifen nahe, erste Bier “im Leder”.

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Weltraumperspektive

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exafunk

6 Comments

Tobias Menguser

Sehr beeindruckende Tour inkl. schöner Beschreibung und toller Fotos!!

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Tim Adnitt

Thanks for sharing – this must have been amazing! Really great photos – seriously need to add some places to my ‘to visit’ list!

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Ronen Shloosh

Ronen Shloosh – Amazing trip , the view , the mountains … i especially liked the picture where you see the road going zig zag down the mountain – have to get there 🙂

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