Thyreoidektomie

technische anmerkung / änderung:

Daniel hat mich dazu angeregt (Dank dir!), die Updates zum Thema und überhaupt diesen Blog RSS-freundlicher zu gestalten – etwas, das ich ohnehin schon länger vorhatte. Daher sind Updates ab sofort (26.03.2026) separate Beiträge, die chronologisch auf der Hauptseite erscheinen oder in der Kategorie „Wissenschaft → Medizin“ zu finden sind.

Diesen Hauptbeitrag, den ich bisher für Updates genutzt habe, verlinke ich in den neuen Beiträgen zu diesem Thema stets am Ende.


TL;DR –

Geplante Schilddrüsenentfernung: Der rechte Stimmbandnerv wurde intraoperativ durch Dehnung geschädigt — der Eingriff nach der ersten Hälfte abgebrochen, Stimmband gelähmt. Cortison wirkungslos. Logopädie läuft, die Fortschritte sind mittlerweile unübersehbar: In ruhiger Umgebung ist nahezu normale Sprache möglich, sogar lautes Lachen gelang. Fremde kommentieren die Stimme bereits spontan wohlwollend. Stimmlippenschluss noch unvollständig. Zehn weitere Sessions bis Ende April. Die zweite OP wartet, bis das Stimmband trägt.


7–11 Minuten

update 24.03.2026 –

Diesmal sagte die Verkäuferin in einem anderen Geschäft an der Kasse wörtlich und aus heiterem Himmel, ohne den Hintergrund zu kennen: „Sie haben ja eine interessante, tolle Stimmfarbe!“ Das hat mich erst einmal sprachlos gemacht 🙂 Täglich spürbare Fortschritte und entsprechende Bestätigungen wie diese sind wirklich sehr befriedigend.

Dank neuer Übungen dringe ich nun tiefer in Möglichkeiten der Lautbildung vor, die ich bisher noch nicht kannte. Wer in ca. einem halben Jahr eine Radiomoderation oder Märchenerzählung braucht, gebe mir gerne Bescheid 😉

update 21.03.2026 –

Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn bin ich gerade ziemlich begeistert von den Fortschritten der letzten drei Tage – irgendwas ist da passiert, sodass ich, wenn die Umgebung ruhig ist, in nahezu normaler Stimme sogar mit anderen Menschen reden kann. Das ist das erste Mal seit der OP.

Gestern fragte die Servicekraft im Supermarkt scherzhaft, ob ich im Stimmbruch sei (nachdem ich sie aufklärte, entschuldigte sie sich vielmals – hehe). Heute bin ich, so wie es bisher scheint, noch einen Schritt weiter und lasse sogar das Stimmbruchhafte langsam hinter mir.

Aber der Stimmlippenschluss ist noch nicht vollständig wieder da, ich brauche viel Luft und die Ermüdungserscheinungen treten nach einer Weile Reden nach wie vor auf. Dennoch – wahrscheinlich dank der guten logopädischen Behandlung und täglichen wertvollen Übungen – ist das ein Riesenschritt vorwärts. Sogar laut zu lachen ist mir gestern gelungen, vielleicht der größte Erfolg von allen – wunderbar!

update 19.03.2026 –

Fortschritte passieren tröpfchenweise, aber sie passieren – es ist jedoch noch ein langer Weg. Wer mich im echten Leben trifft, richte sich bitte darauf ein, dass ich in Zukunft, falls überhaupt, wesentlich weniger, langsamer und leiser sprechen werde und mir Zeit nehme zu überlegen, was genau ich sagen will. Ganz nach dem Motto, wie es früher an Telefonzellen stand: „Fasse dich kurz!“ Ganz entgegen dem allgemeinen, aktuellen Trend, möglichst viel inhaltsleeren, nichtssagenden und dauerhaft uninteressanten Unsinn in höllischer Geschwindigkeit und ohne Luft zu holen in die Welt zu tönen. Das hängt damit zusammen, dass es mich viel Anstrengung kostet zu sprechen, da während des Sprechvorgangs viel Luft die Stimmlippen passiert, die eigentlich in diesem Moment geschlossen sein sollten. Es ist noch unklar, ob sich das je ändern wird, ich bleibe jedoch optimistisch. Ihr habt Verständnis dafür – ich bedanke mich sehr im Voraus!

update 16.03.2026 –

Vorführeffekt: Gestern und heute Morgen bildete ich noch nahezu glasklare, relativ laute und deutlich verständliche Sätze mit meiner größtenteils „ursprünglichen“ Stimme, die ich zu Dokumentationszwecken fast täglich aufnehme und heute der Logopädin stolz präsentierte. Sie war davon sehr beeindruckt – in der Logopädie-Session am Nachmittag jedoch gelang mir nichts von all dem. Dafür habe ich wertvolle und für das Stimmtraining erst auf den zweiten Blick hilfreiche Einblicke in den Zen-Buddhismus gewonnen, im Speziellen in die Technik des Kinhin (経行).

update 13.03.2026 –

In jeder Logopädie-Session geht es einen Schritt weiter – schade nur, dass die Erfolge nicht unmittelbar bestehen bleiben. Meist zerbricht direkt nach einer Einheit die Stimme und muss sich erst wieder erholen. Am nächsten Morgen lassen sich die jüngsten Erfolge oft mühelos wiederholen, bis das beschädigte Stimmband erneut ermüdet. Das zehrt nicht unerheblich an der Geduld. Weitere zehn Sessions sind nun organisiert – bis etwa Ende April trainiere ich also mindestens in professionellem Rahmen weiter.

update 10.03.2026 –

Kurzes Update: Die sehr tiefen Anteile meiner Stimme zeigen sich immer öfter und deutlicher. Für Konversationen reicht es noch nicht, aber immerhin für lustige Selbstgespräche, die Richtung stimmt also schonmal. Mentale und körperliche Ausgeglichenheit spielen die entscheidende Rolle für diese Erfolge. Weniger schön ist der allgemeine Zustand: Der Kreislauf spielt mal wieder verrückt, so wie ich es aus der Zeit vor der OP kenne…

update 07.03.2026 –

So viel wie heute habe ich schon lange nicht mehr gesprochen. Spannend dabei waren nicht nur die entspannt und leise mit einem Freund diskutierten Inhalte, sondern auch die seltsamen und unkontrollierten, überraschenden Veränderungen in der Lautbildung. Den Stimmbruch Ende der 70er habe ich nicht so dramatisch in Erinnerung.

update 05.03.2026 –

„die stimmlippenbasis schliesst.“

nicht ganz wörtliche Aussage der logopädin in bezug auf heute erzielte erfolge in ganz bestimmten übungen. damit ist nicht das sprechen selbst gemeint, nur eben jene speziellen vokale-trainings. prima!

update 04.03.2026 –

Heute habe ich die Logopädin dabei erwischt, wie sie mir durch spezielle Übungen ihre wahre Absicht offenbarte: mich zum Sänger auszubilden! Es gelang mir, ihr sämtliche Vokale laut und deutlich zu präsentieren. Das passte wunderbar zum schönen Wetter in Potsdam. Die Bestellung des Frühstücks in meinem aktuellen Lieblingscafé der Stadt dagegen scheiterte kläglich – mit gebrochener, kratziger und zu leiser Stimme. Doch Geduld und konsequentes Üben werden es richten, davon bin ich mehr und mehr überzeugt.

update 02.03.2026 –

Die Stimme war seit der Operation vor 3 Wochen in keinem besseren Zustand als heute morgen, ich dringe von flüster-ähnlichen geräuschen scheinbar langsam in lautere Regionen der Wortbildung vor, das gefällt mir.

update 28.02.2026 –

Die heutigen Selbstgespräche funktionieren sehr zufriedenstellend – im Gegensatz zu gestern. Kommen jedoch Menschen dazu, die verbal zu addressieren sind, wird die Stimme unterirdisch. Die mit Abstand beste Medizin an so einem wunderschönen frühlingshaften Tag ist klar: entspanntes Cruisen mit dem Motorrad.

update 26.02.2026 –

Der Endokrinologe bestätigt mit seiner Analyse der aktuellen Blutwerte meinen subjektiven Eindruck einer leichten Verbesserung des gesundheitlichen Gesamtzustands. Keine zusätzliche Hormonmedikation notwendig – der verbliebene Rest arbeitet vor sich hin. Auch liegt er richtig mit seiner Vermutung, dass ich nicht besonders scharf darauf bin, den zweiten Eingriff vornehmen zu lassen. Abgesehen davon wäre das aktuell ohnehin eher gefährlich. Der nächste Check dann im Mai.

update 25.02.2026 –

Auf neue, mir bisher unbekannte postoperative Schmerzprobleme, die mir derzeit kaum Schlaf lassen, gehe ich hier nicht näher ein.

Bisher nehme ich noch keine Ersatzmedikamente, die den von der Schilddrüse produzierten Hormoncocktail ersetzen würden. Die verbliebene Hälfte produziert zwar noch, ob das jedoch ausreicht und ausgewogen ist, lässt sich bezweifeln. Denn obwohl insgesamt eine Besserung eingetreten zu sein scheint, habe ich an Wohlbefinden und Fitness durchaus angenehmere Erinnerungen. Nun denn, in den nächsten Tagen wird es dazu ärztliche Klarheit geben. Auch hier braucht der Körper scheinbar einige Wochen, um sich der neuen Situation anzupassen.

update 24.02.2026 –

Geduld Raum geben.

update 22.02.2026 –

Keine besonderen Fortschritte, aber das ist in Ordnung. Ich bin von der Herangehensweise der Logopädin überzeugt: Durch stabile, bewusste und kontrollierte Atmung lässt sich der Sprechvorgang beeinflussen. Das klingt nicht nach einer besonders neuen oder bahnbrechenden Erkenntnis, aber wie schwierig die Umsetzung ist, kann wohl nur jemand nachvollziehen, der mit einer solchen Herausforderung konfrontiert ist. oder auch Räuspern und husten sind total kontraproduktiv für eine mögliche Heilung des Stimmbandes. Ich muss andere Techniken erlernen, um den Zweck des Räusperns oder hustens zu erfüllen – eine davon wird sehr schön von dem großartigen Matthew McConaughey in den ersten 20 Sekunden dieses Clips aus „The Wolf of Wall Street“ demonstriert.

Ich werde hier vielleicht nicht mehr täglich Updates geben – seht es mir nach –, aber die Dokumentation fortsetzen.

update 21.02.2026 –

weiteratmen.

update 20.02.2026 –

atmen.

update 19.02.2026 –

Die Cortison-Therapie erwies sich als nutzlos und brachte keine Verbesserung. Der Fokus liegt nun zunächst auf 10 Logopädie-Sitzungen. Die erste fand heute Morgen statt und war sowohl hinsichtlich des Settings als auch des Therapieansatzes sehr angenehm und lehrreich. Ich habe dabei Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Atmung und Muskulatur sowie dessen Auswirkungen gewonnen und erlebt, die mir bisher weitgehend unbekannt waren.

Die Inspektion der geschädigten Stimmlippe zeigte ein minimal stärkeres Vibrieren und Flattern bei der Aktivierung (durch den Versuch des formulierens eines „e“) als noch letzte Woche – angesichts der Gesamtsituation ein mega (!) Erfolg!

Einen kleinen Lichtblick gab mir eine Ärztin mit auf den Weg, nachdem sie mit klarer, heller und fröhlicher Stimme aus ihren eigenen Erfahrungen mit demselben Problem berichtete: Bei einer Wirbelsäulen-OP wurde ihr Nerv ebenfalls so gedehnt und geschädigt wie meiner, was sich in ihrem Fall nach sehr, sehr schnellen sechs Wochen wieder erholt hatte.

weiterhin ergab sich Aus der analyse des entfernten schilddrüsenlappens keine bösartigkeit des ausgeflippten heissen knotens.

Und was ist mit dem anderen, noch verbliebenen, größeren Lappen mit seinem Konglomerat von vielen kalten Knoten, der erst dann entfernt und analysiert werden kann, wenn sich das kaputte Stimmband soweit erholt hat, dass ein erneuter Eingriff vertretbar wird? Wir erinnern uns: Selbst wenn ich irgendwann wieder halbwegs sprechen kann, ist das Thema damit längst nicht vom Tisch.

aber da sind wir noch lange nicht…

update 18.02.2026

ich war doch recht positiv überrascht, als ich gestern abend die andeutung eines tonfalls in einem kurzen selbstgespräch vernahm. das lässt hoffen. heute allerdings ist der wieder weg.

hier der medizinische hintergrund zu meiner situation.

Update 17.02.2026

Selbst der überweisende Schilddrüsen-Experte hat so eine Auswirkung auf die Stimme in seiner Praxis bisher nicht gesehen.

Ich danke allen für die Anteilnahme und guten Wünsche und Empfehlungen, jedoch habe ich von Experten-, Koryphäen- und Spezialisten- Empfehlungen erstmal genug, seht es mir nach.

update 16.02.2026

Ein erstes Vorgespräch in der Logopädie war ernüchternd — es gibt vorerst keinen Hinweis auf einen raschen Erfolg. Vielleicht werde ich in sechs bis acht Wochen wieder halbwegs „betriebsfähig“ sprechen können, aber auch nur, wenn ich sehr achtsam und behutsam mit den beeinflussenden Faktoren umgehe — keine Telefonate zum Beispiel.

Ich gehe mittlerweile nicht mehr davon aus, dass meine frühere Stimme zurückkehren wird.

Update 15.02.2026

Die Cortisontherapie scheint nicht anzuschlagen. Die Stimme ist kaum mehr als ein Flüstern, das rechte Stimmband gelähmt. Die Stimmtherapie beginnt in diesen Tagen.

Es gibt ein paar zaghafte Hinweise darauf, dass der eigentliche Zweck der Operation erfüllt wurde — manche Schmerzpunkte sind einfach weg oder stark zurückgegangen. Gut so. Aber zu welchem Preis, wenn die Stimme auf der Strecke bleibt?

09.02.2026 –

Die Entfernung der Schilddrüse verlief heute nur zur Hälfte erfolgreich. Der Stimmbandnerv auf der rechten Seite stellte unter starker Dehnung seine Signalübertragung ein — der Eingriff musste wegen drohender Atemnot abgebrochen werden. Die zweite Hälfte folgt in einigen Wochen.

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